Wir sind antideutsche Antifaschistinnen aus dem Westen Österreichs. Antifaschismus im klassischen Sinne ist nicht unsere Sache. Anstatt nationalsozialistische, faschistisches und antisemitisches Gedankengut einzig und allein bei Neonazi und Rechtsextremisten zu suchen, und dort zu bekämpfen, was natürlich gerade bei der immer größer werdenden Vorarlberger Neonazi Szene und gleichzeitiger Tolerierung durch Polizei und Gesellschaft wichtig ist, hat sich die gesamte postnazistische, österreichische Gesellschaft, unsere Feindschaft verdient. Österreich ist nämlich ein Land das personell, strukturell und ideologisch, sowohl an faschistische, als auch nationalsozialistische Traditionen anknüpft und diese fortführt. Ob es sich dabei um führende Politiker der II Republik, wie SS Mann und später FPÖ Obmann Friedrich Peter (1958-1978), Altbundespräsident Kurt Waldheim bzw. dessen Pferd, oder um strukturelle und ideologische Relikte wie die (neo-)korporatistische, österreichische Sozialpartnerschaft, handelt.

Auch von jährlichen Gesinnungsbekundungsmärschen Schlechtgekleideter Traditionslinker, mit grenz wertigem Musikgeschmack, ähnlich katholischen Wahlfahrtprozessionen, welche zur Beruhigung des schlechten Gewissens dienen sollen, halten wir gar nichts. Wem zur Thematik Faschismus und Nationalsozialismus, nicht mehr einfällt als die Gebetsmühlenartig vorgetragene, nichtsdestotrotz aber unglaublich dumme Floskel „Hinter dem Faschismus steht das Kapital“ sollte vielleicht besser einen Dimitroff Nostalgie Club Gründen, in dem dann ausgiebig über die Politik der Komitern in den 30er Jahren diskutiert werden kann. Da aber wohl die wenigsten Demoteilnehmerinnen die diesen Spruch des Öfteren von sich geben überhaupt wissen wer Dimitroff war, Erübrigt sich unsere Guter Vorschlag leider schon von selbst.

Als Unglaublich kann aber vor allem die Selbstgefälligkeit der meisten an 9.11 „Gedenkdemo“ Teilnehmenden Personen eingestuft werden. Denn mit Antisemitismus muss mensch sich nicht beschäftigen, den als politisch auf der richtigen Seite stehend, also links, kann mensch ja gar kein Antisemit sein, unglaublich falsch wer die Geschichte der Linken kennt. Nein hier soll nicht behauptet werden das die Linke durch und durch Antisemitisch war, und es soll nicht verschwiegen werden das es gerade in der Linken durchaus Leute gab die gegen Antisemitismus vorgingen. Aber die Linke war nie frei von Antisemitismus ob Prodhoun oder Bakunin, ob KPD oder Sowjetunion. Doch anstatt sich mit Antisemitismus zu beschäftigen, widmet mensch sich lieber so wichtigen Themen wie der Bekämpfung von Lookism und attackiert Israelsolidarische Antifas auf 9.11 Demos. (2004,2005)

Falscher Antinationalismus, Antizionismus und Antiamerikanismus

Als Anfang der 90er Jahre endlich so was wie eine antinationale Linke entstand war das natürlich ein riesiger aber viel zu später Fortschritt. Da konnte Marx und Engels noch so pathetisch davon schreiben, dass das Proletariat kein Vaterland hätte, die Geschichte bewies das Gegenteil. Spätestens 1914 marschierten das europäische Proletariat und seine Sozialdemokratischen Führer, mit erwähnenswerten ausnahmen wie Rosa Luxemburg oder Karl Liebknecht, für ihre jeweilige Nation. Doch Marx betraf dies alles nicht mehr, er war schon mehr als 25 Jahre Tod, und hatte sich schon 1875 von der Sozialdemokratie distanziert.

Nach der Oktoberrevolution, wurde von Lenin neben dem Klassenkampf auch der Kampf um die nationale Befreiung in die Linke „Theoriebildung“ eingeführt. Vor allem die Neue Linke die so genannten  68er und deren Arbeiterklasse Romantischen Abfallprodukte die K-Gruppen nahmen das Konzept des antiimperialistischen Kampfes und der nationalen Befreiung wieder auf. Diese Neue Linke glaubte nicht mehr an die Revolution in den kapitalistischen Zentren, Projizierte aber ihre Revolutionshoffnungen auf Bewegungen in den Entwicklungsländern. Mit dem Effekt, dass es nicht mehr so wichtig war wer da eigentlich unterstützt wurde. Der Analyse des kapitalistischen Systems, wenn überhaupt mal vorhanden, wich einem in „gut“ und „böse“ einteilenden Denkmodell. Den Platz des „guten“ nahmen dann vor allem um die nationale Souveränität kämpfende „Völker“ ein, und der Platz des „bösen“ wurde mit den USA und Israel gefüllt.

So weit so Schlecht, doch nun zurück zur antinationalen Linken, der 90er Jahre, die gerade dieses Konzept der nationalen Befreiung und Feindbildbestimmung statt Analyse, kritisierten. Diese Antinationale/Antideutsche Linke war es auch, die die durch Deutschland rollende rassistische Progrommwelle in den 90er Jahren, nicht als Einzelaktionen von Nazis oder schlimmer noch, als Verzweiflungsakte wirtschaftlich benachteiligter Deutscher, wie es die restlinke tat, Verharmloste. Nein, denn deutschen zuständen die diese rassistische und antisemitische Gesellschaft produzierte wurde der Krieg erklärt.

Doch auch der seit 1967 gängige linke Antizionismus, von dem Jean Améry schon 1967 sagte: „Der Antisemitismus, enthalten im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar.“  wurde endlich kritisiert, und eine im Unterschied zur Nachkriegslinken nicht durch Moral sondern durch Analyse begründete Israelsolidarität eingeführt. Die meisten Gruppen und Einzelpersonen, die Heute das Label Antinationale Linke für sich beanspruchen, haben sehr wenig bis gar nichts mit diesen Antinationalen aus den 90er Jahren gemein. Meist haben sie Probleme Staat (Organisator und Regulator kapitalistischer Produktion und Reproduktion) und Nation (Ideologie des Staates und seiner Staatsbürgerinnen) zu trennen, und auch die Unterscheidung von Nationskonzepten (bürgerlich, pluralistisch oder völkisch) ist ihnen Fremd. Kurz gesagt es ist ein Antinationalismus ohne Analyse und Theorie, aber mit einem ungeheueren Hass auf Israel und die USA. Nimmt es der Antinationale von Heute mit seinem Antinationalismus, nicht ganz so ernst wenn es um die Zappatistas geht die sich immer gerne auf die mexikanische Nation berufen, kompensiert er es dann damit, dass er der einzige Nation also Israel die solange es den Kapitalismus gibt eine Notwendigkeit hat, ihr Existenzrecht abspricht. Warum Israel Notwendig ist, ist leicht erklärt. Kein Staat verdient zu existieren, außer, als Notwehr (ISF 2006) und dies trifft eben auf Israel zu. Die Welt ist eine kapitalistische, in Nationen eingeteilte Welt, und daher ein antisemitischer Ort. Denn so lange es Kapitalismus gibt solange gibt es auch immer die Möglichkeit seiner negativen Überwindung. Soll heißen der fetischisierte (durch den Kapitalismus vermittelte Blick der Dinge) „antikapitalistische“ Angriff auf das Abstrakte, bleibt nicht beim Angriff auf das Abstrakte stehen sondern konkretisiert und biologisiert in seinem Wahn die abstrakte Seite des Kapitals mit den Juden und Jüdinnen. Damit wird der „antikapitalistische“ Angriff zur Massenvernichtung der Juden und Jüdinnen. Da nun aber selbst nach 1945 die Welt eine kapitalistische blieb, und die Voraussetzungen eines neuerlichen Holocausts nicht verschwanden, und die Versprechungen sowohl der bürgerlichen, als auch der sozialistischen Gesellschaft leere waren, war Israel die einzig richtige Konsequenz nach 1945. Den weder die bürgerlichen noch die sozialistischen Nationen oder Bewegungen, waren fähig oder überhaupt gewillt, die Juden und Jüdinnen vor den Nazis und deren Hilfsvölkern zu schützen.  In so einer Welt ist deshalb der Selbstschutz der Jüdinnen nur im Rahmen eines jüdischen Nationalstaates möglich.

Gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamismus

Gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamismus klingt wie eine klare Ansage, entpuppt sich aber, wenn es nicht genauer beschrieben wird, als leeres, Parolen gedresche. Schon beim Punkt Gegen Rassismus wird klar, dass ein antifaschistisches Basic, zwar leicht hergesagt ist, dessen Bestimmung aber umso schwerer fällt. Klar ist zunächst, Rassismus aus der Gesellschaft, ob er nun von links (wir selektieren, Migrantinnen nach der Verwertbarkeit für das heimische Kapital; Grünes Punkteprogramm oder wir sind eigentlich sowieso für strengere Asylgesetzte; SPÖ ), rechts (300.000 Migrantinnen sollen abgeschoben werden; BZÖ oder „Daham statt Islam“ und „Pensionen statt Asylmillionen“ von der FPÖ) der Mitte (am besten wären getrennte Klassen für Kinder mit deutscher Muttersprache und für die Ohne; ÖVP) kommt und Rassismus von staatlichen Institutionen ausgeführt (was öfter schon Tödlich endete, z.B. starb Marcus Omofuma 1999 bei seiner Abschiebung aus Österreich), ist entschieden entgegenzutreten. Das heißt in die Praxis Übersetzt Solidarität mit denn in der österreichischen Gesellschaft rassistisch Stigmatisierten Menschen. Aber genau hier verlassen wir dann wieder die ausgetretenen  Trampelpfade des linken Antirassismus. Denn Gegnerschaft zum Rassismus heißt für uns nicht, dass chauvinistische, antisemitische, sexistische, schwulenfeindliche oder rassistische Aussagen wenn sie von Migrantinnen ausgesprochen werden, Toleriert gehören. Nein  gegen Rassismus heißt für uns sowohl die rassistische Mehrheitsgesellschaft zu denunzieren, als auch chauvinistische und reaktionäre und islamistische aussagen oder Praxen von Migrantinnen eben als solche zu benennen.  Dabei ist vor allem dem linken Zwillingsbruder des neonazistischen Ethnopluralismus, dem Multikulturalismus entgegenzutreten. So ist der Unterschied zwischen beiden graduell, die Idee das „Kulturen“ in ihrer Reinheit unter sich bleiben sollen teilen beide. Wird also Rassismus als eine Feindschaft gegen Fremde Kulturen verstanden, wird mensch es schwer haben rassistische Neonazis zu finden, den diese versichern des Öfteren sehr glaubwürdig mit Iran oder Palästina Fahne in der Hand, dass sie gegen andere Kulturen nichts hätten, nur sollen die Migrantinnen eben wieder dort hin wo sie hingehören, in ihren Kulturkreis, dort hätten sie dann auch die Unterstützung der Neonazis im Kampf gegen den MCImperialismus von Israel und den USA. Die linken Multikulturalisten, sind da ein bisschen „Toleranter“, sie akzeptieren wenn Migrantinnen in Österreich leben, aber dann bitte unter sich. Der Antirassismus solcher Provenienz erfreut sich dann regelmäßiger Bauchtanz- und Trommelveranstaltungen, mit dem das Gewissen beruhigt wird, und als Bestätigung für das eigene Gutmenschentum herangezogen wird. Daher muss Hendryk Broder zugestimmt werden wenn er in einem Interview sagt: „Wir haben die Realität verkannt. Die eine Seite hat gebrüllt: Wir sind kein Einwanderungsland, was idiotisch war. Die andere Seite hat die hübschen Bilder von Multikulturalität gepflegt, ohne mehr zu kennen als den Döner-Händler an der Ecke.“ (Hendryk Broder 2006)
1945 wurde zwar Nazideutschland besiegt, was aber nicht zerstört wurde, war der Antisemitismus und die deutsche Ideologie, die die Stützen der Naziideologie darstellten. Während mensch sich in Europa meist in einen Philosemitismus flüchtete, die eigenen Vorurteile gegen Juden und Jüdinnen also nicht reflektierte sondern diese einfach als „positive“ Eigenschaften der Juden und Jüdinnen ansah, überlebte der Antisemitismus im Nahen Osten das Jahr 1945 ohne diese Änderung.
So ist es dann auch nicht überraschend, dass sich die Hamas (aktuelle palästinensische Regierungspartei) in ihrer Charta  von 1988 auf die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ beruft. Der Iran zur Vernichtung Israels aufruft, und dafür Applaus von europäischen Antisemitinnen bekommt, und palästinensische Schulbücher den Staat Israel auf Landkarten Darstellungen nicht eingezeichnet haben, dafür aber die Behauptung enthalten, Juden würden von Affen und Schweinen Abstammen. Das sind nur einige wenige bespiele für den heutigen Antisemitismus im Nahen Osten, gründe dafür sind aber vor allem in der Vergangenheit, also im Bündnis der Nationalsozialisten mit arabischen Islamisten, zu suchen. Aktuell können Islamistischen Gruppen wie Hamas, Islamit Jihad, Hisbollah oder al-Quaida als Avantgarde einer globalen antisemitischen Bewegung gesehen werden.
Doch auch in Österreich überlebte der Antisemitismus weit Unbeschadeter und in originärer Form als im Rest West-Europas. Der Grund dafür mag wohl die erste Zeile der Moskauer Deklaration gewesen sein, die Österreich als erstes Opfer des Naziregimes darstellte, und damit unterschlug das Überproportional viele Österreicher an der Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen beteiligt waren. So konnte Karl Renner kurz nach dem Ende des II Weltkrieges fordern, dass Österreich ganz sicher keine „Ostjuden“ aufnehmen werde. Alle antisemitischen Aussagen von österreichischen Politikern hier aufzuzählen wäre müßig, erinnert werden sollte aber noch an die so genannte Waldheimaffäre. Bei der die ÖVP (und wohl nicht nur die) eine jüdisch-sozialdemokratische Weltverschwörung gegen Österreich im Allgemeinen und Waldheim im speziellen im Gange sah. Auch an die antisemitischen Angriffe gegen den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, in Form einer Aschermittwochsrede von Seiten Jörg Haiders, sollte hier noch mal erinnert werden. Doch auch die antizionistische Linke in Österreich sollte hier nicht vergessen werden, so waren es 2003 eben keine Neonazis die eine Gedenkveranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht (9.11.1938) angriffen sondern, antizionistische Linke die mit Parolen wie „Zionisten Raus“ die Veranstaltung und deren Teilnehmer zuerst zu provozieren versuchten, und im späteren Verlauf diese auch körperlich angriffen.

Befreite Gesellschaft? Ja, aber…

… nicht mit dieser Linken. Und obwohl wir uns doch selbst als radikale Linke verstehen, lehnen wir es ab dort Gemeinsamkeiten zu sehen wo es keine mehr gibt. Nein ganz im Gegenteil eine globale Linke die „die Zärtlichkeit der Völker“ propagiert, und diese in den islamistischen Suicide Bombings in Erfüllung gehen sieht, ist ganz sicher kein Ort der Emanzipation mehr. Zu verteidigen ist natürlich das was früher mal links war, bevor es von der linken in den Dreck gezogen wurde. Das universalistische Menschenbild zum Beispiel, dass die Gleichheit aller Menschen bei vollem recht auf Individualität garantiert, und eben nichts mit den Gemeinschaftsideologien von linken, rechten und islamistischen Gruppen zu tun hat, bei der das Individuum nur als Mitglied der Gemeinschaft zählt. Oder die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx, bei der sich Marx eine Überwindung des Kapitalismus nur auf Grundlage dessen Errungenschaften vorstellen konnte. Wünschenswert ist für uns daher nur eine Überwindung des Kapitalverhältnisses, wenn es mit einer gesteigerten Portion Luxus für alle einhergeht, und wirklich mit dem automatischem Subjekt des Kapitals, dem System der Wertverwertung bricht. Den „mit hundertprozentiger Sicherheit lässt sich nur eins wissen: Dass jeder Protest, der nicht mit den zentralen Formprinzipien der kapitalistischen Vergesellschaftung bricht, diese reproduzieren muss, unabhängig vom Bewusstsein der Protestierenden.“ (Bahamas 2000, S. 4)
Die heutige Linke wünscht sich dagegen im besten falle noch eine linke Elendsverwaltung, wenn sie nicht gerade an der Seite von Islamisten und Neonazis an der negativen Überwindung des Kapitalismus werkelt.