Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs

Aus der Unfähigkeit den Kapitalismus in emanzipatorischer Absicht zu kritisieren, entsteht der regressive Wunsch nach dem einfachen, natürlichen dem noch zu überschauenden Leben, dass frei sei, von den Demütigungen und Ansprüchen einer modernen Gesellschaft. Als Projektionsfläche für derlei Wünsche dienen in der Regel nationale Befreiungsbewegungen, die für ihren Kampf für Volk, Blut, Scholle und Dumpfheit Sympathie, vor allem auch aus Österreich und Deutschland erfahren.

Musste sich das tibetische „Volk“ in Österreich und Deutschland jahrelang mit zweiten Plätzen hinter dem großen Sympathie- und Projektionsträger Palästina zufrieden geben, änderte sich dies just im Jahr der Olympiade.  Denn seit Frühjahr 2008 ist das Thema Tibet allgegenwärtig, ob Latschdemos durch österreichische Städte, Autoaufkleber, Fahnen an Häusern oder Tibet Fanartikel als Einkaufstipp in einem Online Versand, der Tibetwahn war für einige Wochen überall anzutreffen. Seinen Ursprung nahm dieser erneute Hype um Tibet in antichinesischen Ausschreitungen, denen nicht wenige Chinesen zum Opfer fielen. Die sicher nicht zimperliche chinesische Polizei tat nun dies, was ihre Aufgabe war, sie stellte das staatliche Gewaltmonopol wieder her.

Indes war in hiesigen Medien nichts von derlei gewalttätigen Ausschreitungen der Tibeter zu sehen, flimmerten doch tagelang Bilder aus Nepal über die Bildschirme, wenn angeblich über Tibet berichtet wurde. Begeleitet wurden die Bilder meist vom Geschwafel des Dalailama, der während chinesische Händler zusammen mit ihren Märkten verbrannt wurden, von einem kulturellen Genozid an den Tibetern daherredete. Um diese „Lichtgestalt“ der Free Tibet Bewegung  soll es in unserer Veranstaltung mit Colin Goldner, Autor des Buches „Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs“ gehen. Goldner schrieb dazu vor einigen Jahren in der Konkret:

Eine Ahnung, worum es dem Gottkönig tatsächlich geht, hat kaum jemand in seiner hiesigen Fangemeinde. Man will es auch gar nicht wissen. Man interessiert sich nicht wirklich für Tibet, nicht für die Geschichte des Landes, nicht für politische Fragen und Probleme; noch nicht einmal wirklich für den tibetischen Buddhismus. ‘Little Buddha’, ‘Kundun’, eine Horde fußballspielender Mönchsbuben: mehr als ein paar mystizistisch angehauchte Platitüden und romantisierende Klischees will man gar nicht haben. Ein ‘Free-Tibet’-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel, und schon ist man zum Gutmenschen mutiert. Konsequent wird alles unterdrückt, was das Bild des Dalai Lama ankratzen, liebgewonnene Projektionen zum Platzen bringen könnte.

Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs
Buchvorstellung mit Colin Goldner
31. Juli 2008
19.00 Uhr
Graf Hugo, Feldkirch

1 Response to “Dalai Lama - Fall eines Gottkönigs”


  1. 1 Ralf Dürich

    Einfach ist die Tibetfrage auch Nicht !
    Jenseits aller Qualitäten, die die große Mutterbrust des Dalai Lama, als Projektionsfläche zweifelos bietet durchtränkt die Tibet Frage ein starkt verworrenes Dickicht an Ansichten, Dharmas, Aberglauben, Irrlehren, esotherischen Wahn und weltlicher Ideologien. Aber auch eine unglaubliche Tragödie eines Volkes, welches tief unter dem Verblendungsdruck des Lamaregiems, ebenso wie des Volksbefreiungsregiems der Chienesen, litt. Diese Trgödie zu enflechten ist Aufgabe eines weit umfangreicheren Buches als das des Herrn Colin Goldner, der sich auch eher aufs Beschmutzen in seinem Leben und Werk spezialisiert hat und dem Niveau der Springerpresse zuzuordnen ist. Hier möchte ich nur einen Wink der Kritik geben, allererst die Verortung des Dalai Lama. Die ganze Welt nennt ihn einen Buddhisten; dies ist er aber nicht. Wer anders als Buddha selbst könnte fest legen, wer in seiner Lehrnachfolge steht oder nicht ? und im Palikanon (das Wort des Buddha) gibt es das Dighanikaya, dort das Bhramayala Sutta, dort legt Buddha fest was Pfad und was nicht Pfad ist, aus den Publikationen des Dalai Lama, zugespitzt dem Werke: Die Welt in einem einzigen Atom, nimmt der Dalai Lama zu Natur- und Geisteswissenschaften Stellung, dort wiederuft er auch die Lehre Buddhas, dort bezieht er Jenseits des Dharmas Stellung und ist somit kein Buddhist mehr; obwohl er sich immer noch so nennt. Dieses Problem in seiner Person läßt sich leicht auf die andern Bereiche seines Handelns ausdehnen und dann haben wir es in der Tat mit einem unehrlichen Menschen zu tun. Nur wissen dies die einfachen Tibeter nicht, diese lassen sich von den Chinesen dafür foltern, dass sie sein Amulett tragen. Diese Tibeter haben schon seit Jahrzenten nur noch die zensierte Presse der Chinesen erhalten, diese trug dazu bei den Dalai Lama zu verkleren, ihn heilig zu sprechen, hätten die Chinesen das den Tibetern zu lesen gegeben, was Seine Heiligkeit im Exil so schreibt, hätten sie die Arbeiten von ihm unzensiert nach Tibet durchmaschieren lassen, dann hätte dies seine Anhängerschaft erheblich schrumfen lassen.

Leave a Reply