Muslimbrüder und die Nazis

Der Nationalsozialismus ist in der gesamten arabischen Welt oft auf Sympathie und nicht selten auf Begeisterung gestoßen. (Küntzel 2002, S. 34)

el husseini und adolf hitler

Gründe für diese Begeisterung waren laut Sami al-Juni einem Führer der syrischen Bathpartei, zum einen der gemeinsame Feind, also Frankreich und Großbritannien, zum anderen der deutsche Begriff von „Volk“. Dieser Volksbegriff drückte sich nicht etwa durch Grenzen und politische Souveränität aus, sondern durch Sprache, Kultur und Blut, und war damit dem Konzept der umma weitaus näher verwandt als das Staatsbürgerschaftskonzept französischer oder britischer Prägung. In beiden Konzepten, umma und deutsche „Volks“ Definition, steht die Gemeinschaft und nicht das Individuum im Mittelpunkt. (Vgl. Küntzel 2002, S. 34)

In den 30er Jahren Gründeten sich eine Unzahl von Organisationen im nahen Osten, die sich inhaltlich aber auch durch ihre Erscheinung stark an die Nationalsozialisten anlehnten. Beispiele dafür waren, die Syrische Volkspartei 1932 von Antun Saadeh in Damaskus gegründet. Die Jugendorganisation der Regierung des Iraks, die den Namen Futuwwa trug, und 1938 als Abordnung am Aufmarsch der Hitlerjugend am Nürnberger Parteitag teilnahm. Im Libanon die Phalanges Libanaises, und in Ägypten die Vereinigung Junges Ägypten. (Vgl. Küntzel 2002, S. 34-35)

Über das Verhältnis zwischen Muslimbrüdern und Nationalsozialisten ist dagegen eher wenig bekannt. Zwar standen die Muslimbrüder den Nazis bei der Verbreitung von „Mein Kampf“ im arabischen Raum zur Seite, und unterstütze al-Banna die deutschen Pläne eines antibritischen Aufstandes in Ägypten. (Vgl. Küntzel 2002, S. 35) Doch „Von einem offenen Schulterschluss zwischen Nazis und Muslimbrüdern konnte dennoch keine Rede sein.“ (Küntzel 2002, S. 35)

Die Muslimbrüder lehnten die nationalsozialistische Rassenpolitik ab, nicht aber den damit verbundenen Antisemitismus, und konnten vor allem diesem „Deutschland über alles“ Nationalismus nichts abgewinnen, weil er ihrer Vorstellung einer universellen umma widersprach. Außerdem war al-Banna zu religiös um einen nicht-muslimischen Führer zu akzeptieren. (Vgl. Küntzel 2002, S. 35) Was sie an Deutschland schätzten, führten die Muslimbrüder auf die Übernahme islamischer Prinzipien durch die Nazis zurück. (Mathias Küntzel 2004, S. 284)

Trotzdem wurde die Muslimbruderschaft in Ägypten vor Oktober 1939 mit DNB Geldern Subventioniert, die beträchtlich höher lagen als die Beiträge für andere antibritische Organisationen. Mit den Geldern wurden vor allem antisemitische Propagandaschriften wie die 80seitige Broschüre „Feuer und Zerstörung in Palästina“ produziert. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 283)

Den Muslimbrüdern haben es die Nazis wohl auch zu verdanken, dass die Stimmung in Ägypten von einer eher wohlwollenden Meinung gegenüber der jüdischen Einwanderung in Palästina, in eine antisemitische Kippte.

Um einiges anders und vor allem inniger sah aber das Verhältnis von Amin al-Husseini zu den Nationalsozialisten aus. Der seit 1921 amtierenden Mufti von Jerusalem machte nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für den Nationalsozialismus, und so sollte er sich später auch in deren Dienst stellen. Der für mehrere antijüdische Pogrome verantwortliche al-Husseini Umriss die wichtigsten Weltanschaulichen Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Nationalsozialismus in folgenden 7 Punkten.

  1. Monotheismus – Einheit der Führung, Führerprinzip.

  2. Sinn für Gehorsam und Disziplin

  3. Der Kampf und die Ehre, im Kampf zu fallen.

  4. Die Gemeinschaft nach dem Motto: Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

  5. Hochschätzung der Mutterschaft und Verbot der Abtreibung

  6. Verhältnis zu den Juden – „In der Bekämpfung des Judentums nähern sich Islam und N.S. einander sehr“

  7. Verherrlichung der Arbeit und des Schaffens: „Der Islam schützt und würdigt die Arbeit, welche sie auch sein mag“. (Mathias Küntzel 2002, S. 39)

 

Was hier auffällt ist das vor allem Punkt 7, also der rassisch motivierte Antisemitismus der an eine jüdische Weltverschwörung glaubt, dem islamischen Judenbild bis dahin Fremd war. Diese Vorstellung der jüdischen Allmacht, resultiert vor allem aus der christlichen Gottesmordlegende. Im Islam gibt es diese nicht, Mohamed hatte die jüdischen Stämme laut Koran entweder versklavt, vertrieben oder getötet. Von Juden, die als leicht zu schlagen dargestellt wurden ging folglich auch keine ernstzunehmende Gefahr aus. Das Judenbild des Islam war also eher rassistisch, und man begegnete den Juden und Jüdinnen daher eher mit Verachtung oder herablassender Duldung. In dieser Vorstellung war es geradezu Absurd zu glauben, die Juden würden die Welt beherrschen. Dieser antisemitische Glaube war bis dahin im christlichen Europa zuhause. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 277)

Um so kraftvoller musste diese Wahnidee der arabisch-islamischen Welt eingehämmert werden. (Mathias Küntzel 2004, S. 277) Der Konflikt um Palästina war die passende Gelegenheit dazu. Broschüren die von der uralten Feindschaft zwischen Juden und Muslimen erzählten, wurden an muslimischen Bosnier verteilt, um sie für die SS Division Handschar, zur Rekrutieren. Und auch über Radio Zeesen, der seit 1939 bestand, und dem seit 1941 Amin el-Husseini vorstand, wurde der Topos des ewig feindseligen Juden, in der arabischen Welt verbreitet.

Diese oben beschriebene Verbundenheit war aber keineswegs einseitig, Heinrich Himmler schwärmte von der „weltanschaulichen Verbundenheit“ zwischen Nationalsozialismus und Islam, und führte den Begriff Muselgerman ein. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 277)

 

Amin el-Husaini offenbarte schon 1933 dem deutschen Konsul in Palästina seine Sympathie für den Nationalsozialismus, und so teilte er ihm mit, dass die Muslime in und außerhalb Palästinas das neue Regime in Deutschland befürworteten und sich dass selbe faschistische und undemokratische System auch für ihre Länder erhofften. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 274) Doch erst 1937 ergab sich in Folge des Teilungsplanes der britischen Peel-Kommision eine neue Situation. Und nun flossen Gelder und Waffen von Deutschland nach Palästina. Bis 1937 hatte es Deutschland vermieden eine offene antizionistische Politik zu betreiben, obwohl sich schon sehr früh der führende Chefideologe des NS, Alfred Rosenberger mit dem Buch Der Staatsfeindliche Zionismus 1921, und Adolf Hitler in Mein Kampf 1925, gegen den Zionismus schärfsten aussprachen. Grund dafür war, dass man bis zuletzt hoffte, es sich mit Großbritannien nicht zu verscherzen, und so wurde bis dahin, jeder erkennbare antibritische Akt unterlassen. Wobei die Nazis wohl davon ausgingen das die „Araber“ die Juden und Jüdinnen sowieso in Palästina liquidieren würden, laut neuesten Studien von Klaus-Michael Mallman und Martin Cüppers gab es dafür auch schon sehr konkrete deutsch Pläne, und bis dahin war es für sie ein nützlicher „Ablageplatz“ für unerwünschte Juden. (Vgl. Mathias Küntzel 2002, S. 38)

Doch nicht nur die Rücksichtsnahme auf Großbritannien wird es wohl gewesen sein, die eine frühere Unterstützung des Muftis durch die Nazis verhindert hatte. Zum einen fiel der Mittelmeerraum in den Aufgabenbereich Italiens, und zum anderen hatte Adolf Hitler schon in Mein Kampf die rassische Minderwertigkeit der Araber postuliert, und deren heiligen Krieg eine Absage erteilt. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 275)

Doch ab 1937 änderte sich die Politik Deutschland in diesem Punkt, den ein jüdischer Staat sei nicht im Interesse des Nationalsozialismus, war es aus Deutschland zu vernehmen. Die Nationalsozialisten fürchteten eine zusätzliche völkerrechtliche Machtbasis der Juden und Jüdinnen, für sie vergleichbar mit dem Vatikan für Katholiken und der Sowjetunion für die Komitern. Daher wurde ab diesem Zeitpunkt versucht das „Arabertum“ als Gegengewicht zum Judentum zu stärken.

Die Entscheidung, den „palästinensischen Aufstand“ in den Jahren 1937-1939 fortzusetzen, fiel nicht zuletzt in Berlin. (Mathias Küntzel 2002, S. 38)

Auch der Mufti gab selbst zu, dass es ohne die Waffenlieferungen aus Nazi-Deutschland nicht möglich gewesen wäre, den Aufstand in diesem Ausmaß durchzuführen. (Vlg. Mathias Küntzel 2002, S. 38)

Im Oktober 1939, nach der Niederschlagung des von ihm geleiteten „Aufstands“ in Palästina, ging el-Hussaini in den Irak. Als Mitglied des „Goldenen Vierecks“ nahm er 1941 an einem prodeutschen Putsch im Irak Teil. Zu diesem Militärputsch kam es am 1. April 1941 und Rashid Ali al-Kailani der eine deutschfreundliche Regierung anführte, kam an die Macht. Im Mai 1941 kam es dann zur Konfrontation mit Großbritannien. Doch weder der Jihad Aufruf des Muftis noch deutsche und italienische Waffen konnten die Niederlage des prodeutschen Regime im Irak verhindern. Was Großbritannien aber nicht verhindern konnte, war zum einen die antisemitische Propaganda der deutschfreundlichen Regierung, und zum anderen die Übergriffe gegen die Juden und Jüdinnen im Irak, die am 1. Juni 1941, also zwei tage nach dem die Briten Bagdad erobert hatten, in antisemitische Pogrome mündeten, bei denen 179 Menschen getötet wurden. (Vgl. Mark Selent 2003, S. 67-70)

Amin el-Hussaini gelang nach Ende des Militärputsches die Flucht über den Iran ins Dritte Reich nach Berlin.

Doch dies war erst der beginn einer Zusammenarbeit des Muftis von Jerusalem mit den Nazis, die erst mit der Zerschlagung eben dieser enden sollte.

 

Was el-Hussaini an den Nazis so faszinierte war wohl ihr Antisemitismus, den er teilte. Hinsichtlich des Antisemitismus nahm es der Mufti mit den deutschen Weltverschörungsphantasten ohne weiteres auf. (Mathias Küntzel 2002, S. 39)

Als 1942 amerikanische Truppen in Nordafrika landeten, erklärte er sich dies in antisemitischer Manier durch den Einfluss der Juden in den USA. Die Amerikaner seien nur die willfährigen Knechte der Juden und daher die Feinde des Islam und der Araber. (Vgl. Mathias Küntzel 2002, S. 39)

Auch mit der von den Nazis vorangetriebenen Judenvernichtung war der Mufti von Jerusalem einverstanden, und zwischen el-Hussaini und den Nationalsozialisten kam es immer dann zu Spannungen wenn diese Judenvernichtung nicht total ausgeführt wurde.

So zum Beispiel 1943, als Heinrich Himmler, mit dem Hussaini ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, zu Propagandazwecken 5000 jüdische Kinder die Ausreise gestatteten wollte, und damit ihr wohl Überleben ermöglicht worden wäre. Als Gegenleistung sollten 20.000 gefangene deutsche Freikommen. Doch durch persönliche Interventionen des Muftis bei Regierungsbeamten kämpfte er gegen diese Planung so lange an, bis sie dann schlussendlich fallen gelassen wurde. Auch die Regierungsbeschlüsse Ungarns, Bulgariens und Rumäniens, jüdischen Kindern die Ausreise nach Palästina zu gestatten, hatten heftige Gegenreaktionen des Muftis, der diese Kinder lieber unter starker Kontrolle in Polen wissen wollte, zur Folge. Auch in diesem Fall konnte er sich schlussendlich durchsetzten. (Vgl. Mathias Küntzel 2002, S. 40)

Erst in den letzten Tagen des NS Regimes verließ el-Husseini Berlin, und flüchtete in die Schweiz. Dies führte zur Auslieferung nach Frankreich, wo er bis 1946 nicht unter den schlechtesten Bedingungen lebte. Jugoslawien hatte den Mufti auf die Kriegsverbrecherliste gestellt, und forderte aufgrund seiner Verantwortung für die Kriegsverbrechen der muslimischen SS-Division in Bosnien und Herzegowina, an Serben und Kroaten, seine Auslieferung. Doch zu dieser Auslieferung oder einem Prozess vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal kam es nicht. Die USA und Großbritannien wollten es sich mit der arabischen Welt nicht verscherzen, und Frankreich ließ ihn gewähren. Politisches Asyl bekam der Mufti, wie viele andere Nazis auch, in Ägypten unter König Faruk. (Vgl. Mathias Küntzel 2002, S. 48)

Diese Nichtauslieferung hatte weiterreichende Folgen, „Indem die Alliierten den Mufti amnestierten, wurde sein Antisemitismus rehabilitiert.“ (Mathias Küntzel 2004, S. 286)

Simon Wiesenthal bemerkte 1947 dazu, dass die Araber in der Straflosigkeit des Muftis wegen seiner NS Verbrechen „nicht nur eine schwäche der Europäer, sondern auch Absolution für geschehenes und kommende Ereignisse“ zu erkennen glaubten.

So schreibt Mathias Küntzel in seinem Aufsatz Von Zeesen bis Beirut, Nationalsozialismus und Antisemitismus in der arabischen Welt, dass es nach dem 8. Mai 1945 zu einer doppelten Zweiteilung der Welt kam, zum einen in eine Spaltung der Politökonomischen Systeme, die sich dann im Kalten Krieg ausdrückte. Die zweite Spaltung hatte mit einem Fortleben nationalsozialistischen Gedankenguts zu tun, und wurde vom Ost-Westkonflikt überdeckt. (Vgl. Mathias Küntzel 2004, S. 285)

Husseini selbst wurde nach 1945 von den Muslimbrüdern zum Stellvertreter al-Bannas ernannt, und zum Oberhaupt der Palästinensischen Sektion die damals 20.000 Mitglieder zählte. So konnte er seinen Krieg gegen die Juden als arabischer Held Fortsetzten, später sollte er dann noch am Aufbau der Fatah beteiligt sein, dessen späteres Oberhaupt Yassi Arafat er persönlich für diese Aufgabe vorbereiten sollte.

1 Response to “Muslimbrüder und die Nazis”


  1. 1 aav

    es ist absolut abartig und ekelhaft, wie große Teile der Linken mit diesen arabischen Nazis sympathisiert.

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