Täglich beschießen islamistische Rackets Wohngebiete im Süden Israels. Die Opfer dieses Beschusses eint weder ihre soziale Stellung, ihre politischen Ansichten, noch sind sie Angehörige der selben Klasse. Was sie eint, ist der Wahn der antisemitischen Mörderbanden der sie zu Juden macht die es zu vernichten gilt. Israel schützt, auch wenn es traditionsmarxisitschen Klassenkampftheoretikern nicht in den Kram ergo Theorie passt, ArbeiterInnen eben genau so wie KapitalistInnen vor Antisemitismus. Dass der Zionismus die eigentlich falsche, aber spätestens nach 1945 die einzige richtige Antwort auf das Antisemitismus Problem war, wurde in einige unserer Texte schon ausgeführt. Natürlich wäre die befreite Gesellschaft, die radikal mit dem Kapitalismus gebrochen hätte die richtige Lösung gewesen, dem war aber nicht so, und so existiert eben auch heute eine Welt in der sich die Shoa wiederholen könnte. Die politische Emanzipation, in diesem Fall jene der Juden und Jüdinnen, die Marx der menschlichen Emanzipation voraus setzt, war nur in einem jüdischen Nationalstaat möglich. Denn die Staaten, egal nun ob sich diese als bürgerlich oder sozialistisch verstanden, waren nicht gewillt ihre jüdischen StaatsbürgerInnen vor dem Antisemitismus zu beschützen. Ganz im Gegenteil: Juden und Jüdinnen wurden im Angesicht der nationalsozialistischen Gefahr durch restriktivere Einreisebedingungen in verschiedene Länder sogar noch der letzten Fluchmöglichkeit beraubt.
Uns verwundert daher auch der Vorwurf wir ergriffen Partei für die nationale Bourgeoisie Israels, geht es hier doch einzig und alleine um die Parteinahme für vom Antisemitismus bedrohten Menschen, unter anderem in Israel. Alleine das ist die Motivation für die Solidarität mit Israel so lange es den Kapitalismus gibt, und eben auch nur so lange.
Natürlich kann eingewendet werden, es sei sowieso belanglos wie wir uns nun konkret zu Israel verhalten, weil wir als Antifa:on sowieso kein Einfluss auf das Geschehen im Nahen Osten hätten. Dies ist unserer Ansicht nach dann eher als Ausrede anzusehen um den antiisraelischen Konsens in der europäischen Gesellschaft nicht mehr entgegen treten zu müssen. Auch wenn es die AktivistInnen der Eiszeit nicht glauben wollen, ein erstarktes antiisraelisches Europa, kann die Existenz Israels mehr als nur gefährden. Daher muss auch hier in Europa in diesem Sinne interveniert werden.
Israel der Staat des Kapitals
Dass der Staat immer ein Staat des Kapitals ist und Israel dabei keine Ausnahme bildet, dieses communistische Basic, kann in allen unseren Texten nachgelesen werden. Nur tritt in Israel die meist gewaltsame Aufrechterhaltung des freien und gleichen Tausches durch den Staat, hinter den Schutz seiner vom Antisemitismus verfolgten Staatsbürgerinnen zurück.
Zum Begriff der Klasse
Als Gruppe die sich auf die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie bezieht, ist uns natürlich klar, dass der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist. Die Klasse kann zwar, egal wie sie nun bestimmt sein mag, empirisch nicht nachgewiesen werden, dennoch existieren die Klassen objektiv und sind, wie in der Kritik der politischen Ökonomie dargestellt, eindeutig bestimmt. Solche Wesensbestimmungen wie Klasse (aber eben auch Nation), die über-empirisch, aber nichts desto trotz objektiv existieren, werden Kategorie genannt.
Die spannende Frage ist nun, existieren diese Kategorien auch im Bewusstsein des einzelnen Subjekts, sind sie also auch Begriff im dialektischen Sinn. Dies wäre dann der Fall wenn sich Denken, Fühlen und Handeln aufgrund dieser Kategorie bilden würden und ein Teil der Selbstwahrnehmung wären.
Dass die Klasse in diesem Sinne ein Begriff ist, war bis zu Beginn des ersten Weltkriegs noch möglich nachzuweisen. Es gab eine Arbeiter(innen)klasse Subkultur, und ein revolutionäres Selbstverständnis, das mehr als Vorraussetzung für eine Überwindung des Kapitalismus hätte sein können. Doch der ersten Weltkrieg und das Aufgehen dieser Arbeiter(innen)klasse zuerst im nationalen Kollektiv und später im Nationalsozialismus dann in der Volksgemeinschaft, marginalisierte die Klasse als Bezugspunkt für die Individuen. Diese Entwicklung wurde in den Sozialstaaten nach 1945 in- und außerhalb Europas fortgesetzt.
Anders verhält es sich natürlich wenn es um die Kategorie Nation geht, tagtäglich ist jeder Mensch gezwungen sich mit der Nation auseinander zu setzen, wenn er sich nicht sowieso mit ihr identifiziert.
Diesem Schema unterwerfen sich auch (leider muss man sagen) die meisten heutigen Lohnkämpfe. Gekämpft wird nicht als Teil einer Klasse die den Kapitalismus überwinden will, sondern als Teil der Nation, der gerechten Lohn einfordert. Der Staat des Kapitals ist daher auch meist nicht das Ziel des Angriffs, sondern der Adressat der Forderungen nach gerechtem Lohn, und in diesen Fällen äußert sich auch das Einverständnis mit dem Staat des Kapitals.
Die Eiszeit hat sich daher auch die Aufgabe aufgehalst die Kategorie Klasse wieder zum Begriff zu erheben (wenn sie nicht entgegen der Wirklichkeit schon davon ausgeht, dass dies der Fall wäre) also Klassenbewusstsein zu schaffen. Wir wünschen der Eiszeit bei diesem Unterfangen viel Glück, drücken ihnen zwar die Daumen dabei, wissen aber, dass dieses Unterfangen scheitern wird.
An Zynismus nicht zu übertreffen ist es nun aber, sich durch Bezugnahme auf eine Klassenkampflinie die Realität so um zu lügen, dass quasi aus einer moralischen außerhalb des Systems stehenden Position keine Partei mehr gegen den weltweit grassierenden Antisemitismus, der eben auch zwangsläufig eine Solidarität mit Israel mit sich brächte, ergriffen werden muss. Dies ist dann sowohl eine menschliche als auch eine theoretische Schwäche. Meist gipfelt dieser gefährlich Unsinn in “Analysen” wonach jeder Lohnkampf (obwohl sich doch 90% dieser Kämpfe an den Staat des Kapitals richten) eine auf den Communismus zielende Richtung hätte.
Dass es der Eiszeit aber bei ihrer Distanzierung von der Antifa:on mehr um taktische als inhaltliche Gründe ging, ist uns schon bewusst. In der Schweizer Linken ist es nun mal ein Todesurteil mit israelsolidarischen Positionen in Verbindung gebracht zu werden, und das wurde die Eiszeit wohl über unseres gemeinsames Bündnis. Die Eiszeit will wohl auch wachsen und neue Aktivistinnen gewinnen, dafür war eine Distanzierung von uns notwendig über die wir wenn wir ganz ehrlich sind, nicht mal unglücklich sind.



0 Responses to “Ausstieg aus dem Bgkn*”