Der konforme Antifaschismus erblickt die Aktualität des Nazismus allein in den augenscheinlichen Manifestationen lokaler Neonazi-Folklore, deutschnationaler Burschenschaften und rassistischer Volksparteien. Eine radikale Kritik des Nationalsozialismus, die vor allem auch eine Kritik des Antisemitismus wäre, wird konsequent gescheut.
Die Dringlichkeit dieser Kritik des Antisemitismus wird trotz signifikant zunehmender antisemitischer Gewalttaten und Propaganda in Europa und den arabisch/islamischen Staaten in ihrer Tragweite kaum erkannt oder mit Lippenbekenntnissen abgetan.
Jede Aktivität von Neonazi-Organisationen wird zwar von den dem traditionellen Antifaschismus verpflichteten Gruppen penibel registriert, doch die offenen Vernichtungsdrohungen islamistischer Massenbewegungen und Regime gegen Israel, der eliminatorische Antisemitismus der Gegenwart werden ignoriert oder nur formal ohne ernsthafte Konsequenzen zur Kenntnis genommen.
Abseits der Kritik dieses konformen Antifaschismus sollen in diesem Referat grundlegende Gedanken zur Aktualität des Nazismus und zur Kritik des Nationalsozialismus formuliert werden.
Den die Verständnislosigkeit und Indifferenz den aktuellen Manifestationen des Antisemitismus gegenüber ist jedoch selbst notwendige Konsequenz einer letztlich verharmlosenden und theoretisch inadäquaten Auseinandersetzung mit der Geschichte des Antisemitismus und seiner reinsten Verkörperung: der Nationalsozialistischen Volksgemeinschaft.
Luis Liendo Espinoza: Studium d. Soziologie an der Johannes Kepler Universität in Linz. Diplomarbeit: „Antisemitismus im Völkischen Beobachter 1932. Antisemitismus und sein Verhältnis zur NS-Ideologie“ (Febr. 2006). 2003 und 2004 Kursleiter eines 6-teiligen Seminars zum Thema Antisemitismus und Nationalsozialismus an der VHS Linz. Frühjahr 2008 6-teiliges Seminar „Karl Marx – Einführung in die materialistische Gesellschaftstheorie“ an der VHS Linz.



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